Technik & Abrechnung
Solarstromverteilung & Bilanzierung
Für Eigentümer und Technikplaner: Was in jedem 15-Minuten-Intervall gemessen, verteilt und abgerechnet wird – und wie sich Vollversorgung und GGV (Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung) unterscheiden.
Aktualisiert: Juli 2026 · ca. 8 Min.
Das Wichtigste in Kürze
Mieterstrom braucht Viertelstunden-Bilanzierung: Pro Intervall wird erfasst, wie viel PV-Strom anfällt, wie viel teilnehmende Wohneinheiten verbrauchen, und wie der Solar-Anteil verteilt wird. Nicht teilnehmende Einheiten sind ausgeschlossen. Messbasis: Smart Meter Gateway und iMSys (intelligentes Messsystem).
Ablauf in 15-Minuten-Intervallen
- 1PV-Erzeugung im Intervall erfassen (kWh)
- 2Verbrauch aller teilnehmenden Wohneinheiten summieren
- 3Verfügbaren Solarstrom = min(Erzeugung, Teilnehmer-Verbrauch)
- 4Solarstrom auf Teilnehmer verteilen (dynamisch oder statisch)
- 5Restbedarf = Netzbezug zuordnen
- 6Überschuss = Einspeisung oder Speicher
Bei GGV kann die Verteilung statisch über einen Verteilungsschlüssel laufen – die Bilanzierung selbst bleibt intervalbasiert.
Was wird bilanziert: Vollversorgung
- Ein Lieferant bilanziert Solar- und Netzanteil auf einer Lieferkette
- Pro Intervall: Solar-kWh und Netz-kWh je Wohneinheit → eine Abrechnung
- Verteilung meist dynamisch nach Ist-Verbrauch der Teilnehmer
- Mieterstromzuschlag bezieht sich auf bilanzierte Mieterstrom-kWh
Was wird bilanziert: GGV
- Zwei Lieferwege: GGV-Solar vom Gebäudeversorger, Rest über Grundlieferant
- Pro Intervall: zuerst GGV-Solaranteil zuordnen, dann Netzbezug beim Grundlieferanten
- Verteilung statisch oder dynamisch – siehe Verteilungsschlüssel
- Kein Mieterstromzuschlag – nur Solarverkaufsposition auf GGV-Rechnung
Kurzvergleich
| Aspekt | Vollversorgung | GGV |
|---|---|---|
| Bilanzierte Lieferketten | 1 (Solar + Netz kombiniert) | 2 (GGV-Solar + Grundlieferant) |
| Abrechnungsbelege | 1 Rechnung | 2 Rechnungen |
| Nicht-Teilnehmer | Eigener Lieferweg, nicht in Solar-Summe | Nur Grundlieferant, kein GGV-Solar |
Häufige Fragen
Warum gerade 15 Minuten?
Das ist die in der Energiewirtschaft übliche Balance zwischen Genauigkeit und Datenmenge. Für die Zuordnung von PV-Erzeugung und gleichzeitigem Verbrauch im Gebäude reicht eine stündliche Auflösung oft nicht aus – zu grob wären Ungenauigkeiten bei der Solarquote.
Kann eine Wohnung mehr Solar bekommen, als sie in einem Intervall verbraucht?
In der dynamischen Logik wird der verteilbare Solarstrom in der Regel auf das begrenzt, was die teilnehmenden Einheiten im Intervall gemeinsam maximal nutzen können. Einzelne Überhänge an eine Wohnung ohne Verbrauch werden nicht sinnvoll zugerechnet – sie landen im Überschuss.
Was passiert mit dem Solarstrom, den niemand im Haus nutzt?
Er wird bilanziell als Überschuss geführt: Einspeisung ins Netz (ggf. mit Vergütung) oder Speicherladung, je nach Anlagenkonzept.
Muss jeder Mieter teilnehmen?
Nein. In Vollversorgung und GGV ist die Teilnahme für Mieterinnen und Mieter stets freiwillig. Wer nicht teilnimmt, bleibt beim bisherigen Stromlieferanten bzw. Grundversorger. Messung und Abrechnung erfassen nur Wohneinheiten mit wirksamem Vertragsabschluss.
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